Denken ist Silber, Sparen ist Gold

Denken ist Silber, Sparprogramm ist Gold

(das schwarz-gelbe Sparpaket)

Manchmal könnte man meinen, je dicker das Konto desto dünner der Frontallappen.

Sparen steht ja ganz hoch im Kurs zur Zeit. Sparen scheint das Allheilmittel gegen finanzielle Missstände zu sein. Die Länder sparen, die Kommunen sparen sowieso schon jahrelang an allem und die Bundesregierung spart sich gleich ein ganzes Sparpaket zusammen. Keine Schulden machen soll sogar in Gesetz gegossen werden als wäre das eine Naturkonstante (das Sparprogramm genannt „die Schuldenbremse“, jetzt auch bundesweit in ihrem Kino).

Im kleinen Maßstab bei Problemen der Kategorie „Konto leer“, ist neben mehr Einnehmen, natürlich Sparen das Mittel der Wahl. Aber gilt das auch für eine ganze Volkswirtschaft? Hat da nicht mal so ein Typ namens Keynes was schlaues zu gesagt? War wohl nicht so wichtig. Ist sicher auch nicht der Weisheit letzter Schluss. Und dennoch …

Erstmal muss man mal festhalten daß wir ja garnicht sparen sondern „wir werden gespart“. Oder wurden Sie etwa gefragt ob es Ihnen lieber wäre weitere Abgaben auf Arztbesuche zu zahlen oder doch eher mehr für den Flug nach Malle auszugeben? Und können Sie sich das überhaupt leisten? Fliegen Sie überhaupt nach Malle oder freuen Sie sich schon darüber wenn Sie mal nicht ihre Kleidung bei Kik und den Rest beim Lebensmitteldiscounter einkaufen müssen?

Der Spiegel listet als Spar-Opfergruppen:

  • Arbeitslose
  • Familien
  • Bundeswehr
  • Flugpassagiere
  • Verwaltung
  • Deutsche Bahn

Beim Stern bekommt man dann auch die Zahlen der Sparposten übersichtlich aufbereitet. Allein 25% der 80Milliarden entfallen demnach auf Arbeitslosenleistungen.

Die Koalition debattiert „sogar“ über Einsparungen im Verteidigungsetat in Höhe von 0.2 bis 0.6 Milliarden. Angesichts eines Gesamtetats von 46Milliarden mit dem Deutschland auf Platz 6 Weltweit steht ist das allerdings nicht besonders beeindruckend. Und für das was bei den 46Milliarden dann hinten raus kommt muss man sich auch noch schämen. Wenn der Abnehmer dieser Leistungen eine Firma wäre würde es ständig dick Penale hageln.

Nachdem jetzt klar ist wer die Zeche zahlen soll bleibt dann noch die Frage nach dem Kosten-Nutzen-Faktor und ob das überhaupt alles was bringt. Und die muss langfristig klar mit „nein“ beantwortet werden. Der Zug für die „ich will keine Schulden machen, weil Schulden sind böse“ Schiene ist schon vor ca. 40 Jahren abgefahren. Zumindest aus staatlicher Sicht. Gesamtwirtschaftlich ist das bereits mit der Grundsteinlegung des Geldsystems geschehen.

In weltweit fast allen heutigen Geldsystemen gilt grundsätzlich: Geld = Schuld
Einzige Ausnahme ist der Betrag an Geld der nach einer Währungsreform ausgegeben wird. Und der ist (gemessen am Geldvolumen) so verschwindend klein geworden daß obiges ganz allgemeine Gültigkeit hat. Für jeden Euro der auf einem Konto hier, in China oder sonst wo liegt wurde also eine Schuld aufgenommen für die jemand bürgen muss. Details dazu (aus dem Wikipedia-Artikel) habe ich unten angefügt. Die ganze Geschichte zur Geldordnung gibts auch mehrfach und ausführlich in Videoform.

Im Umkehrschluss bedeutet das: Wenn wir alle Schulden abtragen „ist das Geld weg“. Wenn wir weniger Schulden machen, schrumpfen wir unsere Wirtschaft. Und wovor haben unsre Wirtschaftswissenschaftler am meisten Angst? Vor zu geringem Wirtschaftswachstum! Sie merken schon hier beißt sich das ganze argumentativ selbst in den Schwanz.

Und damit sind wir wieder beim Sparen. Dem gemeinen Steuerzahler wird gesagt Schulden sind böse denn das entspricht ja dessen Dreisatz-Verständnis des Geldes und hat damit ein Druckmittel. Verwendet wird es dann um genau denen, die nicht verstehen woher denn eigentlich dieser „Schuldenberg“ aus Wirtschaftswachstum kommt, noch mehr von ihrer ohnehin schon dünnen Spardecke zu hobeln. Entweder wir machen ALLE bewußt moderat Schulden (das bedeutet dann massiven staatlichen Eingriff zur Korrektur von Exzessen) oder wir lassen uns Alternativen zu unserem Geldsystem einfallen. Aber das was momentan passiert ist nur Verarschung an breiter Front.

Nachtrag: Die Ausnahme bestätigt ja bekanntlich die Regel. (zur Abgeordnetenregel: „Denn sie wissen nicht was sie tun“ oder sind nicht am Wissen interessiert)

Weitere Links zum Thema:

Aus der Wikipedia zum Thema Geldsystem:

Geldschöpfung

Zu unterscheiden sind das Zentralbankgeld und das Giralgeld. Ein Teil des Zentralbankgeldes ist das Bargeld. Das Zentralbankgeld wird von der Zentralbank geschöpft und an die Geschäftsbanken weiterverliehen. Diesem Geld wird in der Regel der Leitzins auferlegt. Für kurzfristige Kredite gilt der höhere Spitzenrefinanzierungssatz und für Einlagen gilt der niedrigere Einlagesatz. Über die Höhe des Leitzinses wird die Geldmenge gesteuert, die den Geschäftsbanken als Mindestreserve und als Bargeld zur Verfügung steht. Auf Basis dieser Geldmenge wird durch die aktive Giralgeldschöpfung der Geschäftsbanken ein Vielfaches als Giralgeld in Umlauf gebracht. Die Zinsgewinne, die aus dem Giralgeld entstehen, fließen den Geschäftsbanken zu, während die Zinsgewinne der Zentralbank nach Abzug deren Unkosten dem Staat zufließen (in der EU, nicht in den USA).

Kritik

Die Eigenschaften des Geldsystems werden vielfach als Ursache immer wiederkehrender Krisen angesehen:

  • Alles in Umlauf befindliche Geld kam durch Kredite in Umlauf.
  • Die auf die Kredite fälligen Zinsen können nur durch neue Kredite finanziert werden. Die Summe aller Kredite muss also ständig anwachsen.
  • Wächst die Wirtschaft nicht mit der erforderlichen Geschwindigkeit, werden weniger Kredite nachgefragt. Da die laufenden Zinsen und Tilgungen bedient werden müssen, fehlt daher Geld an anderer Stelle.


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